Questions & Answers zur Veranstaltung: Hier beginnt Klimaschutz.

Fragen zur klimaneutralen Industrietransformation

Dort wo zum Beispiel die Treibhausgase nicht aus Verbrennungsprozessen, sondern aus den Einsatzstoffen stammen, werden langfristig noch gewisse CO2-Mengen entstehen, die nicht in die Atmosphäre gelangen sollen. In einigen Industrien wie z. B. in der Zement- und Kalkindustrie oder mit Einschränkungen auch in der Glasindustrie wird immer prozessbedingt CO2 entstehen. Dieses CO2 muss abgeschieden und als Rohstoff (z. B. für Kunststoffe oder synthetische Kraftstoffe) genutzt werden, bzw. falls nicht anders möglich, gespeichert werden. Insofern ist es absehbar möglich, Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre nahezu vollständig zu verhindern. Weitere Informationen haben wir hier zusammengestellt.

Die Landesregierung NRW hat Ende 2020 die Novellierung des Klimaschutzgesetzes aus dem Jahr 2013 auf den Weg gebracht. In der überarbeiteten Version wird sich zu den EU-Zielen bekannt und Treibhausgasneutralität bis 2050 festgelegt. Klimaneutralität ist hier bilanziell zu verstehen. Das heißt, unvermeidbare CO2-Quellen können durch CO2-Senken (auch in anderen Sektoren) ausgeglichen werden. Weitere Informationen: https://www.klimaschutz.nrw.de/instrumente/klimaschutzgesetz

Ja. Deshalb arbeitet und diskutiert IN4climate.NRW auch aus einer gesamtsystemischen Perspektive heraus. In unserer AG Wärme wird zum Beispiel aktuell an einer Vision für eine klimaneutrale Wärmeversorgung der Industrie gearbeitet.  Diese wird unter anderem auch hervorheben, dass die Wärmewende in der Transformationsdiskussion bisher viel zu wenig im Fokus steht und aufgrund der Vielzahl an eingesetzten Energieträgern unbedingt gesamtsystemisch über Sektoren hinweg betrachtet werden muss.

Effizienz, Konsistenz und Suffizienz gelten als die drei Säulen für Nachhaltigkeitsstrategien. Neben der Konsistenz, d. h. im Zusammenhang mit IN4climate.NRW klimaneutrale Industrieprozesse zu schaffen, und Effizienz, insbesondere im Sinne einer Kreislaufwirtschaft, ist Suffizienz als Bemühen um eine Begrenzung und Reduktion des Ressourcenverbrauchs eine der wichtigsten Nachhaltigkeitsfaktoren, insbesondere auch mit Blick auf die intragenerationale Nachhaltigkeit. „Degrowth“ kann ein Aspekt der globalen Industrietransformation sein – allerdings werden mit diesen Themen stärker gesellschaftliche und kulturelle Fragen angesprochen. Wirtschaft und Politik beeinflussen diese, letztlich bestimmt aber die Nachfrage auch die Produktion. IN4climate.NRW arbeitet mit der Industrie daran, die Nachfrage langfristig klimaneutral zu bedienen. Auf diese Weise lassen sich Wertschöpfung und Arbeitsplätze in NRW weiterhin halten.

Der Bedarf an primären Rohstoffen wird aktuellen Schätzungen zufolge durch konsequente zirkuläre Wertschöpfungsketten langfristig eher sinken als steigen. Trotzdem werden neue Technologien wie Batteriespeicher oder auch Elektrolyseure Rohstoffe benötigen, deren Bereitstellung negative ökologische Auswirkungen haben. Diese sind möglicherweise sogar kritischer zu bewerten als ihre Treibhausgasbilanz. Auch hier muss über konsequentes Recycling die Förderung neuer Rohstoffe auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Der Energiebedarf wird tatsächlich steigen, was u. a. an zunehmender Elektrifizierung, Speicherbedarfen zum Ausgleich der Volatilität Erneuerbarer Energien oder zusätzlichen Umwandlungsverlusten liegt. Hier müssen aus der Sicht von IN4climate.NRW konsequent heimische EE-Potenziale genutzt und Importstrategien für alternative Energieträger aufgebaut werden.

Wie groß der Mehrbedarf an elektrischer Energie sein wird, ist von Studie zu Studie unterschiedlich und hängt von den Annahmen in den Szenarioanalysen ab. Sicherlich werden wir deutlich mehr elektrische Energie benötigen als heute, in industrieller Hinsicht vor allem für Technologien in den Bereichen Power-to-Heat (PtH) und Power-to-Gas (PtG). Dazu müssen wir in erster Linie unsere heimischen Potenziale an Erneuerbaren Energien konsequent und umfassend nutzen. Strom zur Wärmeerzeugung (PtH) sollte vor allem bei Hochtemperaturanwendungen eingesetzt und, sofern möglich, durch die Einbindung grundlastfähiger erneuerbarer Wärmequellen wie Geothermie sinnvoll ergänzt werden. Mit Blick auf die verfügbaren Flächen, Akzeptanzkonflikte und zusätzliche Speicherkapazitäten werden sich die Bedarfe an EE-Strom aber vermutlich dennoch nicht vollständig (und wirtschaftlich) heimisch decken lassen. Daher müssen ebenfalls Importstrategien für alternative, strombasierte Energieträger aufgebaut werden, dies betrifft insbesondere Wasserstoff, möglicherweise aber auch synthetisches Methan oder Ammoniak.

Die Beimischung von Wasserstoff zum Erdgas kann als Brückentechnologie relevant werden, um schnell Wasserstoff in den Markt zu bringen, da die bestehende Infrastruktur ohne nennenswerte Umrüstungsmaßnahmen genutzt werden kann. Durch den reduzierten Kohlenstoffanteil im Brenngas können so zeitnah CO2-Einsparpotenziale ausgenutzt werden. Langfristig sollte aber auf reinen Wasserstoff gesetzt werden, um Lock-in-Effekte und CO2-Emissionen konsequent zu vermeiden.

Die Speicherung von Wasserstoff in Drucktanks ist der aktuelle Stand der Technik. Was den Betrieb großer saisonaler Speicher angeht, ist eine (Um)nutzung vorhandener Kavernenspeicher die aktuell vielversprechendste Option – erste großskalige Tests dafür sind geplant bzw. laufen derzeit. Einige technische und regulatorische Fragenstellungen sind aber noch offen.

Fragen zu IN4climate.NRW

IN4climate.NRW lebt als Arbeitsplattform – und damit auch als Treiber einer Industrietransformation – von einem offenen branchenübergreifenden Dialog der Industriepartner, unterstützt von Wissenschaft und Politik, der erst einmal innerhalb Arbeitsgruppen des Think Tanks organisiert ist. Die dort erarbeiteten Ergebnisse zu notwendigen Technologien und Rahmenbedingungen bringen wir als Beitrag in den weiteren gesellschaftlichen Diskurs ein – sie werden veröffentlicht, auf Konferenzen vorgestellt und mit der Zivilgesellschaft diskutiert.

IN4climate.NRW ist eine Arbeitsplattform für die energieintensive Grundstoff-Industrie. Eine Beteiligung für KMU ist jederzeit möglich, sofern sie den in IN4climate.NRW tätigen Branchen angehören oder entsprechende Produktionsprozesse betreiben, die Produktion wesentliche energieintensive Prozesse benötigt und das Unternehmen in der Lage ist, kontinuierlich und aktiv mitzuarbeiten.

IN4climate.NRW richtet sich an die energieintensive Industrie – trotzdem wissen wir um die Bedeutung anderer Branchen und der vielen kleineren und mittelständischen Unternehmen (KMU) für den Klimaschutz. Einige der im Rahmen von IN4climate.NRW diskutierten Technologiepfade müssen in einem weiteren Schritt in die Breite getragen werden. Hier gibt es auf den Mittelstand ausgerichtete gute Beratungskompetenzen z. B. bei der EnergieAgentur.NRW und der Effizienz-Agentur NRW. Zukünftig wird dieses Thema auch von der im Aufbau befindlichen Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz (Arbeitstitel) vorangetrieben.

IN4climate.NRW ist eine umfassende Arbeitsplattform, welche die energieintensive Industrie mit der Wissenschaft und Expertinnen und Experten der Landesregierung zusammenbringt, um eine klimaneutrale Industrie umzusetzen. Es handelt sich insofern nicht um ein politisches Gremium. Politiker bzw. Politikerinnen sind daher im Arbeitsprozess nicht beteiligt. Die Ergebnisse der Arbeitsplattform IN4climate.NRW werden regelmäßig veröffentlicht und stehen der Allgemeinheit zur Verfügung. Auf Anfrage ist IN4climate.NRW zu Gesprächen und Diskussionen mit allen politischen Parteien gern bereit.

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