Im Gespräch: Ulf C. Reichardt

NRW.Energy4Climate – unter diesem Namen baut NRW derzeit die neue Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz auf. Sie soll ab 2022 die Klimaschutzaktivitäten in NRW unter einem Dach bündeln. Als Vorsitzender der Geschäftsführung leitet Ulf C. Reichardt seit April gemeinsam mit Samir Khayat die neue Organisation. Zuvor war er viele Jahre im Management von Thyssenkrupp sowie als Hauptgeschäftsführer der IHK Köln tätig. Im Interview gibt er Einblicke in die aktuellen Entwicklungen.

Geschäftsführer Ulf Reichardt bei der Arbeit

Welche Ziele verfolgt die neue Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate?

Der Schutz unseres Klimas ist eine der größten Aufgaben unserer Zeit. Eine Aufgabe, die keinen Aufschub mehr duldet, sondern die wir jetzt und mit vereinten Kräften angehen müssen. Und genau das ist die Mission von NRW.Energy4Climate: Wir wollen alle Kräfte und Ressourcen im Bereich Klimaschutz unter einem Dach schlagkräftig bündeln und damit die Transformation Nordrhein-Westfalens so beschleunigen, dass wir das Ziel der Klimaneutralität so schnell wie möglich erreichen können. Denn viel Zeit bleibt uns nicht mehr, das bestätigt nicht zuletzt das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

 

Der Aufbau von NRW.Energy4Climate geht mit dem Auslaufen der EnergieAgentur.NRW einher. Das hat zu viel Kritik geführt. Wie stehen Sie dazu?

Die EnergieAgentur.NRW hat sehr wertvolle und wichtige Arbeit für NRW und darüber hinaus geleistet, das ist unumstritten. Strukturell war sie jedoch all die Jahre privatwirtschaftlich organisiert, d. h. ihre Tätigkeiten und Aufgaben wurden über zeitlich begrenzte Projektverträge von privaten Unternehmen im Auftrag des Landes umgesetzt. Die Verträge laufen Ende 2021 definitiv aus. Der jetzige Aufbau einer neuen Struktur in Form einer unbefristeten Landesgesellschaft bietet die Chance, diese wichtigen Arbeiten zu verstetigen und inhaltlich weiter auszubauen. Gleichzeitig bekommen wir mehr Flexibilität, auf aktuelle Entwicklungen auch kurzfristig zu reagieren. Zur Begleitung des Aufbaus läuft zudem die Ausschreibung und Vergabe von Aufträgen in zweistelliger Millionenhöhe.

 

Wie ist der aktuelle Stand der Entwicklungen und welche thematischen Schwerpunkte sind geplant?

Die neue Organisation wird alle relevanten Bereiche und Sektoren für die Klimaziele in den Blick nehmen, also insbesondere Energie, Industrie, Mobilität und Gebäude. Entsprechend dieser Schwerpunkte werden wir den Aufbau gestalten. Aktuell liegt der Fokus auf dem inhaltlichen wie personellen Aufbau. Wir führen viele Bewerbungsgespräche für die unterschiedlichen Stellenprofile mit dem Ziel, ab Anfang 2022 bereits möglichst schlagkräftig starten zu können. Der Hauptsitz der Gesellschaft wird Düsseldorf sein – vorerst sind wir dort im Medienhafen beheimatet, ab Mitte 2023 ist ein Umzug zum EUREF-Campus am Flughafen geplant. Daneben wird es diverse weitere Standorte geben, so z.B. im Rheinischen Revier. Aber auch der Standort von IN4climate.NRW in Gelsenkirchen bleibt erhalten.

 

Was bedeutet die neue Gesellschaft für die Landesinitiative IN4climate.NRW?

IN4climate.NRW bleibt unter dem Dach der neuen Landesgesellschaft unter Leitung von Samir Khayat als Marke bestehen. Sie wird weiterhin den Fokus auf Klimaschutz und Transformation der NRW-Industrie legen und als Think Thank und innovative Arbeitsplattform ExpertInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammenbringen. Durch die direkte Einbindung in die neue Landesgesellschaft bietet sich natürlich die Gelegenheit, über den Austausch und die interne Vernetzung der Themenbereiche Synergien zu schaffen und weitere Projekte voranzutreiben.

 

Was begeistert Sie persönlich für das Thema?

Ich komme aus der Stahlbranche, habe bei thyssenkrupp über viele Jahre den Wandel erlebt. Dass NRW der wichtigste Standort der deutschen Stahlindustrie ist, bietet die Chance, hierzulande allein mit der Transformation dieser Branche große Hebeleffekte für die Klimabilanz zu erreichen. Diese Hebel gemeinsam mit einem schlagkräftigen Team in allen weiteren relevanten Sektoren in Bewegung zu setzen, motiviert mich. Und als Vater von zwei Kindern ist mir auch ganz persönlich die Verantwortung, die wir den kommenden Generationen schuldig sind, täglich bewusst.