Im Gespräch: Alexander Behnke

Alexander Behnke ist seit 2019 Senior Referent Strategie & Unternehmensentwicklung beim Fernleitungsnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE) und widmet sich der strategischen Entwicklung von Geschäftsmodellen im Wasserstoffbereich. Darüber hinaus begleitet er Projekte wie beispielsweise GET H2, eine Initiative von über 40 Akteuren, die sich gemeinsam für den Aufbau einer H2-Infrastruktur einsetzen. Bei IN4climate.NRW engagiert er sich u. a. in den Arbeitsgruppen Wasserstoff und Kohlendioxidwirtschaft.

Was sind aktuell noch Herausforderungen für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur? Wie kann IN4climate.NRW dabei helfen, diese zu meistern?

Mit der Grüngasvariante des Netzentwicklungsplan Gas 2020 – 2030 haben die Fernnetzbetreiber Gas einen Vorschlag unterbreitet, wie die ersten Teile einer deutschlandweiten Wasserstoffinfrastruktur bis 2030 und darüber hinaus etabliert werden können. Jetzt gilt es, diese Projekte umzusetzen und mit ihnen erste Wasserstoffregionen zu vernetzen. Um dies zu erreichen, sind Änderungen an den aktuellen rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen erforderlich.

IN4climate.NRW ermöglicht als Plattform, die Industrie, Wissenschaft und Landespolitik verbindet, Bedürfnisse der Industrie wissenschaftlich begleitet in einen gesamtpolitischen Kontext einzubetten. Dazu zählen insbesondere Wasserstoffbedarfe, aber auch Fragen der Qualität und Bereitstellung.  So lässt sich die Energiewende der Industrie in NRW effizient und effektiv vorantreiben.

 

GET H2 Nukleus“,  ist das erste Projekt der gleichnamigen Initiative GET H2, bei der sich auch OGE beteiligt. Warum ist die Wahl auf die Verbindung zwischen NRW und Niedersachsen gefallen, um ein erstes Wasserstoffnetz aufzubauen?

Gemeinsames Ziel der Projektpartner von GET H2 Nukleus ist es, den Hochlauf der deutschen Wasserstoffwirtschaft voranzutreiben. Die Region zwischen Lingen und Gelsenkirchen ist hierfür besonders geeignet, da wir hier ausgezeichnete Voraussetzungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette haben: Der Elektrolyseurstandort in Lingen befindet sich in der Nähe zur Erzeugung von erneuerbaren Energien mit guter gas- und stromseitiger Infrastrukturanbindung; in den Raffinerien in Lingen und Gelsenkirchen sowie im Chemiepark Marl sitzen Abnehmer von Wasserstoff in unmittelbarer Nähe zu vorhandenen Erdgas-Leitungen, die zeitnah auf Wasserstoff umgestellt werden können. Zudem besteht die Möglichkeit zur Speicherung von Wasserstoff mit Blick auf das vorhandene Kavernenfeld in Gronau-Epe.

 

Welche Rolle soll der kürzlich von OGE bekanntgegebene Start des Wasserstoff-Hubs „H2UB“ für die Wasserstoffwirtschaft in NRW spielen?

Wasserstoff ist nicht nur der Energieträger der Zukunft. Wir glauben daran, dass sich mit der Entwicklung des Wasserstoffmarktes ein komplett neues Ökosystem entwickeln wird. Mit dem H2UB wird eine sowohl physische als auch virtuelle Plattform geschaffen, die Unternehmen, Startups und Forschungseinrichtungen unter einem Dach vereint und vernetzt. So werden Investoren in und Nutzer von innovativen Wasserstofftechnologien mit Start-ups zusammengebracht. Bei dieser Entwicklung ist es essenziell, dass wir nicht an den Grenzen von NRW stehen bleiben. Wir sehen NRW mit seinen vielen Energie- und Chemiekonzernen, aber auch den mittelständischen Unternehmen, sowie den vielen Wasserstoffforschungseinrichtungen als Einzugsgebiet und Accelerator für den Wasserstoffmarkt. Der H2UB bietet hierzu die dringend benötigten Werkzeuge.