Im Gespräch…Klaus Kesseler (thyssenkrupp Steel Europe AG)

Klaus Kesseler war bis Juli 2021 Leiter des Bereichs Klimaschutz, CO2, Genehmigungen bei thyssenkrupp Steel und gehört zu den ersten Unterstützenden von IN4climate.NRW. Als Ingenieur hat er im Laufe seines Berufslebens für fast alle Stahlhersteller im Ruhrgebiet gearbeitet und den Strukturwandel hautnah erlebt. Zum Wechsel in den Ruhestand schildert er seine persönlichen Eindrücke rund um die Entwicklung von Klimaschutz in der Industrie.

Sie haben sich in Ihrem Berufsleben stark für klimafreundliche Technologien engagiert – wie sehen Sie die Chancen der europäischen Stahlindustrie, zukünftig mit klimaneutralen Produkten am Weltmarkt zu bestehen?

Ja, der Umweltschutz hat mich mein Leben lang begleitet! Angefangen bei meiner Diplomarbeit in der Chemietechnik über die Umgestaltung eines Kokereistandortes bis in meine späteren Berufsjahre in den operativen Bereichen der Eisen- und Stahlherstellung. Beispielsweise konnte ich eine Anlage zum Recycling von Hüttenreststoffen mit entwickeln, die Abfallstoffe bei der Primärstahlerzeugung maßgeblich reduziert.
Besonders wichtig war mir aber meine Tätigkeit innerhalb der interdisziplinären Arbeitsgruppe bei thyssenkrupp, die sich ab 2008 intensiv mit den Optionen der klimaneutralen Ausrichtung der Primärstahlroute beschäftigt hat.

Wesentliches Ergebnis war und ist, dass die Direktreduktion – auf Basis wasserstoffhaltiger Energieträger – alternativlos ist. Die Umsetzung scheiterte jedoch zunächst an der nicht gegebenen Wirtschaftlichkeit des Verfahrens, und sie bleibt bis zum heutigen Tag eine große Herausforderung. Für die klimapolitisch essenzielle Transformation ist es daher erforderlich, schnellstens die politischen Rahmenbedingungen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen, die es den Unternehmen erlaubt, diese Technologien zu implementieren. Nur so ist ein Bestehen am Weltmarkt realistisch.

 

Was war aus Ihrer Sicht Ihr größter Meilenstein für klimafreundlichere Entwicklungen in der Industrie?

Der wichtigste Meilenstein war, im Rahmen der politischen Arbeit für das Unternehmen das Bewusstsein und die Erfordernisse für die Notwendigkeit der Transformation hin zur klimaneutralen Eisen- und Stahlindustrie zu einem Schlüsselthema in der Unternehmenskultur gemacht zu haben.  

 

Sie gehören zu den Initiatoren von IN4climate.NRW. Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung der Initiative (sowie für die aktuelle Transformation der Industrie)?

Die Entwicklung von IN4climate.NRW erfüllt mich mit großer Zufriedenheit. Hier wurde ein Raum des Dialoges zwischen Politik, Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Öffentlichkeit geschaffen, in dem „Open Innovation“ gelebt wird, wo man sich respektvoll zuhört, austauscht, diskutiert, Transparenz schafft, analysiert und Lösungen findet, die dem Wohl des Landes NRW dienen und von allen getragen werden. Um diese Initiative in dieser Form ins Leben zu rufen, bedurfte es großer Mühen, die ohne die tatkräftige Unterstützung der politischen Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung nicht von Erfolg gekrönt gewesen wären. Daher an dieser Stelle noch einmal meinen ausdrücklichen Dank dafür. 

Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung: „Nur weiter so“, der Erfolg ist Ihnen sicher!