Im Gespräch: Hans-Jürgen Alt

Hans-Jürgen Alt ist Geschäftsführer des VDMA NRW und Manager des vom VDMA NRW durchgeführten Kompetenznetzes für Maschinenbau und Produktionstechnik, ProduktionNRW.

Die Entwicklung einer klimaneutralen Industrie ist mit vielen strukturellen und technischen Anpassungen verbunden. Die industrielle Produktion wird einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen. Welche Chancen bieten sich hierbei für den Maschinen- und Anlagenbau?

Der Deutsche Maschinen- und Anlagenbau steht für innovative Zukunftstechnologien, die große Potenziale für Wachstum und Beschäftigung bieten und einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung der nationalen und internationalen Klimaziele leisten können. Kunden, Investoren, Mitarbeiter und andere Interessengruppen sind zunehmend sensibilisiert und erkennen die Bedeutung eines glaubwürdigen Beitrags in Form eines wirksamen CO2-Managements von Unternehmen. Klimaneutral zu wirtschaften ist daher das Ziel von immer mehr Unternehmen.

Als größter industrieller Arbeitgeber und Enabler für zahlreiche andere Branchen ist der Maschinen- und Anlagenbau ein branchenübergreifender Treiber für Innovationen. Er ist schon lange Lösungsanbieter für neue, nachhaltige Energiesysteme und gleichzeitig Anwender solcher Lösungen. Dem global aufgestellten Maschinenbau bietet die klimaneutrale Industrie die Chance, seine Lösungen weltweit zu exportieren und seine Position im weltweiten Wettbewerb auszubauen und gleichzeitig Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland zu sichern.

Innovative Prozesstechnologien werden maßgeblichen Einfluss auf die zukünftigen Anlagenkonzepte haben. Klimagerechte Lösungen sind gefragt, die vielfach nur im branchenübergreifenden Zusammenspiel entwickelt werden können und die hohe Investitionen verlangen. Welche Rahmenbedingungen sind für den Maschinenbau notwendig, um die Transformation einer klimaneutralen Industrie zu unterstützen?

Damit Energiepolitik erfolgreich ist und in eine gelungene Industriepolitik mündet, benötigt sie eine verlässliche und vorausschauende Gesetzgebung. Kleinteilige und schnelllebige Eingriffe müssen der Vergangenheit angehören. Nur so kann ein verlässlicher Rahmen überhaupt gestaltet werden. Daher kommt es jetzt auf eine konkrete und vor allem pragmatische Ausgestaltung in den nächsten Wochen und Monaten an. Nur, wenn die Potenziale der Energieeffizienz in der Industrie, im Verkehr und bei Gebäuden konsequent ausgeschöpft werden, ist ein Gelingen der Energiewende und das Erreichen der Klimaziele denkbar.

Ganz aktuell begrüßen wir den gerade veröffentlichten Plan der Landesregierung NRW, der zehn Impulse für die Stärkung von Konjunktur und Wachstum in NRW setzt. In diesem Plan kommt unter anderem dem Klimaschutz eine Schlüsselrolle zu. Mit Hilfe geeigneter konjunkturstabilisierender Maßnahmen sollen Investitionen in den Klimaschutz forciert werden. Unter dem Ansatz „Wirtschaftswachstum und Klimaschutz zusammen denken – doppelten Nutzen schaffen“ sind Klimaschutz und Energiewende prädestiniert, als Konjunktur- und Wachstumsmotor zu wirken. Beides bietet die Chance zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und nachhaltiger Wertschöpfung.

Viele Ihrer Mitgliedsunternehmen arbeiten mit IN4climate.NRW-Partnern aus der Grundstoffindustrie zusammen und stehen hier im Austausch bezüglich zukünftiger Entwicklungen. Wie setzt sich ihr Verband dafür ein, seine Unternehmen bei der Transformation hin zu einer klimaneutralen Industrie zu unterstützen?

Um Unternehmen Hilfestellung bei der Umsetzung eines wirkungsvollen CO2-Managements zu bieten hat der VDMA das Projekt „klimaneutral produzieren“ gestartet.

Der VDMA bereitet das Thema für seine Mitgliedsunternehmen auf:

Eine Mitgliederbefragung „Betroffenheitsanalyse Klimaschutz – klimaneutrales Produzieren“ gibt einen Überblick über die Branchenaktivitäten zum Megatrend „Klimaschutz“. Darüber hinaus wurden Experteninterviews mit Unternehmensvertretern durchgeführt, um wesentliche Handlungsfelder und Anforderungen zu identifizieren. Die Ergebnisse der Mitgliederbefragung und der Experteninterviews bilden die Grundlage eines Praxisleitfadens und einer Toolbox, die wir im Sommer 2020 für unsere Mitgliedsunternehmen veröffentlichen werden. Damit schafft der VDMA Klarheit für seine Mitglieder und entwickelt praktische Hilfestellungen zur Umsetzung der künftigen Herausforderungen in puncto Klimaneutrales Produzieren – vom Einstieg in das Emissionsreporting, über den Bezug von Grünstrom bis hin zu Fragen rund um Offsetting-Möglichkeiten und Offenlegung von Klima- und Nachhaltigkeitsdaten. Ergänzend können sich VDMA Mitgliedsunternehmen in themenspezifischen Webinaren austauschen und unternehmerische Fragestellungen diskutieren.