Im Gespräch: Bernd Kaletta, Lanxess

Dr. Bernd Kaletta leitet seit 2012 den Bereich Environmental Policy beim Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess. Bei IN4climate.NRW koordiniert er gemeinsam mit Stephan Ramesohl vom Wuppertal Institut die AG Circular Economy. Das kürzlich in der AG entstandene Diskussionspapier „Chemisches Kunststoffrecycling“ soll einen Beitrag zur Defossilisierung der kunststoffverarbeitenden und chemischen Industrie in NRW leisten.

Lanxess unterstützt das IN4climate.NRW-Diskussionspapier zum chemischen Kunststoffrecycling. Warum ist das Verfahren so wichtig für die Kunststoffindustrie?

Als ein führendes Chemieunternehmen glauben wir, dass es bei der Kreislaufwirtschaft um mehr als einfach nur um Recycling geht – es geht vielmehr um eine Transformation des gesamten Wertschöpfungssystems, um eine nachhaltige und kohlenstoffneutrale Gesellschaft zu erreichen. Dies schließt den gesamten Produktlebenszyklus ein und kann nur in enger Zusammenarbeit innerhalb von Wertschöpfungsnetzwerken geschehen. Es beginnt mit dem Einsatz von Rohstoffen und endet mit einem ressourceneffizienten und umweltfreundlichen Recyclingmechanismus für Produkte.

Chemisches Recycling – also die Umwandlung von Abfällen in Rohstoffe – ist ein wichtiger Ansatz zur Förderung der Ressourceneffizienz und Emissionsvermeidung, weil hierdurch Abfälle zurück in die Wertschöpfungskette geführt werden. Bei chemischem Recycling werden beispielweise Kunststoffabfälle in chemische Grundstoffe zerlegt, die bei der Herstellung neuer Produkte als Rohstoff gleicher Qualität verwendet werden können.

Wie stellen Sie sich Kunststoffindustrie der Zukunft vor? Welche Technologien werden hier maßgeblich zur Transformation beitragen?

Der gegenwärtige Aufbau der chemischen Industrie beruht auf fossilen Ressourcen. Während sich die Umstellung auf ausgewählte Kreislaufansätze vielleicht einfach bewerkstelligen lässt, stellt die Schaffung einer echten ‚Circular Economy‘ einen Paradigmenwechsel dar, der von allen beteiligten Anspruchsgruppen enorme Anstrengungen erfordert.

Zukünftig werden wir lernen müssen, dass es bei der Transformation hin zu einer klimaneutralen Produktion darum geht, die Kohlenstoffkreisläufe zu schließen. Dazu bedarf es einer Weiterentwicklung aller bestehenden Technologien, also der Möglichkeiten zum Produktdesign, zur Reparatur und Wiederverwendung, zur Sortierung und auch zum mechanischen Recycling. Daneben müssen  wir die Entwicklung neuer Technologien anstoßen, dazu gehört das chemische Recycling mit den Möglichkeiten zur Depolymerisation, zu unterschiedlichen Pyrolyse-Verfahren und Vergasung bis hin zur Wiedergewinnung von Additiven und Füllstoffen.

Was sind die nächsten Schritte auf dem Weg dorthin?

Notwendig ist die Umstellung der Wertschöpfungssysteme, mit dem Ziel einer nachhaltigen, kohlenstoffneutralen und ressourceneffizienten Gesellschaft, mit neuen Produkten und neuen Technologien. Hierfür müssen wir heute die Verfahren entwickeln, die dann ab 2030 zur Anwendung kommen können.

An dieser Stelle muss auch die Politik den richtigen Rahmen schaffen, und Prozesse müssen in Zusammenarbeit mit allen an den Wertschöpfungsnetzwerken beteiligten Stakeholdern entwickelt werden.

Initiativen wie IN4Climate.NRW sind wichtige Schritte auf diesem Weg, denn nur im Zusammenwirken von Wissenschaft, Industrie und Politik können die Wege geebnet werden, die letztendlich zu einer klimaneutralen Gesellschaft führen.