Drei Fragen an...Dr. Felix Schröter

Dr. Felix Schröter ist Projektleiter bei CURRENTA. Mit seiner Arbeit sorgt er nicht nur für eine effiziente, sondern auch energiesparende Abwasserreinigung und trägt so zum Klimaschutz bei.

Herr Dr. Schröter, Sie sind derzeit auf den Plakaten der Initiative IN4climate.NRW zu sehen.  Wie trägt eine effiziente Abwasserreinigung konkret zum Klimaschutz bei und was sind die aktuellen Herausforderungen Ihrer Tätigkeit?

Das beste Beispiel ist mein aktuelles Projekt: Durch die Optimierung der Nachklärkapazität der Kläranlage Leverkusen erreichen wir gleich mehrere Vorteile. Wir haben bei der Planung besonders darauf geachtet, mögliche Energieverbrauche deutlich zu verringern. Das führt dazu, dass wir zwar unsere Anlage erweitern, können mit dieser Erweiterung aber gleichzeitig auch den Energieverbrauch insgesamt verringern. Wir können zum Beispiel durch eine geschickte Wasserführung auf den Einsatz von Pumpen verzichten, indem wir mit Gefällen arbeiten und sparen so CO2 ein. Dazu sorgen wir für mehr Gewässerschutz. Durch einen zusätzlichen Prozessschritt können wir zum Beispiel die Phosphatfracht um wenigstens 20 Prozent senken. Und da wir mit einem zusätzlichen Klärbecken auch zusätzliche Kapazitäten haben, können wir auf die in Deutschland immer häufiger auftretende Starkregenereignisse besser reagieren. Unsere Anlagen werden noch zuverlässiger.

 

Was muss aus Ihrer Sicht geschehen, damit die Industrie bis spätestens 2050 klimaneutral arbeitet?

Neue Technologien und neue Ideen sind die Grundlage, um möglichst schnell klimaneutral zu werden. Diese Technologien müssen weiter erforscht und zur Marktreife gebracht werden. Gleichzeitig müssen wir uns öffnen für Ideen, die jetzt noch gar keiner hat. Es wird auch darauf ankommen, Mut zu haben und das eine oder andere Risiko einzugehen. Dazu müssen die Rahmenbedingungen passen. Hier sind alle gefragt, auch die Politik. Zum Beispiel ist die Verfügbarkeit von grünem Strom eine sehr wichtige Grundlage! Und zwar nicht nur dort, wo der Strom produziert wird. Am Ende kommt es aus meiner Sicht auch darauf an, dass jeder in seinem Bereich sich beteiligt, egal wie klein oder groß der Schritt auch sein mag. Es kommt auf uns alle an, die Bereitschaft ist da, wir müssen die Schritte jetzt aber auch gehen.
 

Was treibt Sie an? Was motiviert sie? Warum ist Ihnen das Thema persönlich wichtig?

Lösungen entwickeln und umsetzen! Ich interessiere mich sehr für die Hintergründe. Wie setzt man Technik zielgerichtet ein, um sinnvolle und vor allem nachhaltige Ergebnisse zu schaffen? Manchmal sind Innovationen nötig, manchmal sind es bekannte Techniken, die nur in einem neuen Zusammenhang gesetzt werden müssen. Nachhaltigkeit interessiert mich seit meiner Kindheit. Aufgewachsen bin ich im Bergischen Land. Viel Natur, ein Fluss, vor allem Wälder. Damals war der Fluss im Sommer von starkem Algenwuchs gezeichnet. Während meiner Schulzeit rückte dann der Umweltschutz immer mehr in den Fokus der Gesellschaft. Verbesserungen folgten. Mittlerweile ist das Wasser ganzjährig klar. Hier habe ich meine Berufung gefunden. Bei aller Technik, die uns zur Verfügung steht, es kommt gerade jetzt darauf an, dass wir uns weiterentwickeln – nicht nur technisch. Im Großen wie im Kleinen. Für uns und für alle, die nach uns kommen. Genau dazu kann ich in meinen Beruf einen Teil beitragen.

 

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Im Rahmen eines digitalen Live-Events lädt IN4climate.NRW dazu ein, einen Blick in die Zukunft zu werfen und gemeinsam mit Experten aus Politik, Wissenschaft, Industrie und Gesellschaft die Chancen und Herausforderungen einer klimaneutralen Industrie zu diskutieren.

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