Diskussionspapier nennt Kriterien für Unvermeidbarkeit von industrieller­ CO2-Entstehung

Auch in einem klimaneutralen Nordrhein-Westfalen in 2050 werden voraussichtlich Produkte in industriellen Prozessen erzeugt werden, bei denen Kohlendioxid entsteht. Diese sogenannten unvermeidbaren CO2-Mengen wurden bislang jedoch nicht eindeutig definiert. Um eine Lösung für den Umgang mit diesen Mengen finden zu können, ist eine Begriffsklärung erforderlich, die klare Kriterien für die Unvermeidbarkeit nennt. In einem Diskussionspapier geben die Autoren der IN4climate.NRW-Arbeitsgruppe Kohlendioxidwirtschaft eine Definition für prozessbedingt unvermeidbare CO2-Entstehung. Sie liefern damit einen Beitrag für den Dialog zur zukünftigen Rolle der Kohlendioxidwirtschaft in Nordrhein-Westfalen im Rahmen einer angestrebten klimaneutralen Grundstoffindustrie.

„Prozessbedingte CO2-Entstehung bezeichnet die Bildung von Kohlendioxid in industriellen Prozessen, die nicht ausschließlich der Energieumwandlung dienen und damit auch nicht einfach durch einen ‚klimafreundlicheren‘ Energieträger vermieden werden können. Ein Beispiel ist die Entstehung von CO2 in der Kalkindustrie, wenn im Zuge des Brennprozesses Kohlendioxid aus dem Carbonatgestein ausgetrieben wird. Dies soll dann natürlich nicht in die Atmosphäre gelangen. Vielmehr ist es das Ziel, dieses CO2 zur Weiterverarbeitung aufzufangen oder, wenn keine Alternativen zur Verfügung stehen, langfristig zu speichern“, erklärt Samir Khayat, Geschäftsführer der Initiative IN4climate.NRW.

Diese prozessbedingt anfallenden CO2-Mengen gelten dann als unvermeidbar, wenn deren Entstehung trotz Optimierung des Produktionsverfahrens oder des Produktes nicht vermieden werden kann. Wenn darüber hinaus auch keine alternativen Prozesse und keine alternativen Produkte oder Ressourcen für denselben Anwendungsfall, bei geringerer CO2-Entstehung, verfügbar sind, muss also für eine klimaneutrale  Industrie in Zukunft ein Weg zur Vermeidung der Emission dieser weiterhin anfallenden CO2-Mengen gefunden werden. „Nachhaltige Lösungen zum Umgang mit unvermeidbarem CO2 im Rahmen einer Kohlendioxidwirtschaft sind eine besonders herausfordernde Aufgabe auf dem Weg zur Klimaneutralität. Angesichts der Nähe zwischen Industriestandorten in Nordrhein-Westfalen könnten gerade hier geeignete Lösung entwickelt und angewendet werden“, betont Dr. Johannes Ruppert vom Verein Deutscher Zementwerke e. V., der am Diskussionspapier maßgeblich mitgewirkt hat.

Die Arbeitsgruppe von IN4climate.NRW hat sich zum Ziel gesetzt, die grundlegenden Schritte für die Umsetzung einer Kohlendioxidwirtschaft in Nordrhein-Westfalen wissenschaftlich unterstützt zu diskutieren und die Ergebnisse dieser Diskussion zu dokumentieren. Hinter der Veröffentlichung des Papieres stehen die Unternehmen Air Liquide Deutschland GmbH, Covestro AG, HeidelbergCement AG, RHM Rohstoff-Handelsgesellschaft mbH, thyssenkrupp Industrial Solutions AG, Spenner GmbH & Co. KG, der Verein Deutscher Zementwerke e. V., die Forschungsgemeinschaft Kalk und Mörtel e. V., sowie die Forschungseinrichtungen Fraunhofer UMSICHT, IW Köln, RWTH Aachen und das Wuppertal Institut.

Die Ergebnisse des Diskussionspapiers können als Grundlage für die Abschätzung dienen, welche Mengen CO2 an welchen Standorten in Nordrhein-Westfalen auch künftig unvermeidbar anfallen werden und welche Methoden zum Umgang mit dem CO2, wie beispielsweise Nutzung, Transport oder Speicherung, vorstellbar sind. Das Papier schafft damit eine Basis für weitere Diskussionen, die die Entstehung einer Kohlendioxidwirtschaft vorantreiben und damit den Transformationsprozess einer klimaneutralen Industrie unterstützen.

 

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