Agora Energiewende stellt Studie zur klimaneutralen Industrie in Essen vor

Bis 2050 strebt die Bundesregierung eine klimaneutrale Industrie an. Eine gemeinsame Studie von Agora Energiewende und Wuppertal Institut empfiehlt ein konsequentes Sofortprogramm. Vorgestellt wurden die Maßnahmen und Forderungen nun in Essen auf einer gemeinsamen Veranstaltung von Agora Energiewende, Stiftung Mercator und IN4climate.NRW.

Bis 2050 strebt die Bundesregierung eine klimaneutrale Industrie an. Der Handlungsdruck ist enorm. Doch welche Rahmenbedingungen müssen dafür geschaffen werden? Wie können die internationale Wettbewerbsfähigkeit und damit auch wichtige Arbeitsplätze in der deutschen Industrie erhalten bleiben? Eine gemeinsame Studie von Agora Energiewende und Wuppertal Institut empfiehlt ein konsequentes Sofortprogramm. Nach der Veröffentlichung vergangene Woche in Berlin wurden die Maßnahmen und Forderungen nun in Essen auf einer gemeinsamen Veranstaltung von Agora Energiewende, Stiftung Mercator und IN4climate.NRW vorgestellt und mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gewerkschaft diskutiert.

Nationale und globale Energie- und Klimaschutzszenarien machen deutlich, dass eine klimagerechte Transformation der bestehenden Industrie essenziell ist, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Insbesondere die energieintensive Grundstoffindustrie, die ein Grundpfeiler des Wohlstands in Deutschland – insbesondere in der industriellen Kernregion Nordrhein-Westfalen - ist, steht unter Handlungsdruck. Es müssen Lösungen und Strategien entwickelt und Investitionen in neue, CO2-neutrale Technologien getätigt werden, um die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Branche zu sichern.

Studie hebt Notwendigkeit sicherer Rahmenbedingungen für Investitionen hervor
 

Agora Energiewende und das Wuppertal Institut schlagen deshalb für die Stahl-, Chemie- und Zementindustrie ein Sofortprogramm vor. Zusammen mit weiteren Politikinstrumenten soll es die notwendige Investitionssicherheit in der Grundstoffindustrie herstellen, sodass diese bis 2050 weitgehend klimaneutral werden und an Innovationskraft gewinnen kann. „Wir beobachten zwar Effizienzsteigerungen. Was aber zusätzlich nötig ist, sind Sprunginnovationen bei CO2-armen Schlüsseltechnologien“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Allen voran nennt die Studie hier die stärkere Nutzung von Grünstrom und grünem Wasserstoff, der aus Erneuerbaren Energien hergestellt wird. Beides kann sowohl in der Stahl- als auch in der Chemieindustrie Kohle, Öl und Gas ersetzen.

Die Studie schlägt sieben Maßnahmen vor, die innerhalb kurzer Zeit umgesetzt werden können:

  1. Staatliche Förderung klimafreundlicher Produktionsverfahren, sogenannte Carbon Contract for Difference (CfD), in den Sektoren Stahl, Chemie und Zement. Die Förderhöhe soll über Ausschreibungen ermittelt werden
  2. Einführung einer Klima-Umlage auf Endprodukte wie Stahl, Aluminium, Zement und Plastik, um die CfD-Förderung zu refinanzieren
  3. Selbstverpflichtung des Bundes, bei größeren Bauprojekten klimafreundliche Materialien zu verwenden und klimafreundliche Fahrzeuge zu nutzen
  4. Quote für grünen Wasserstoff auf den Absatz von Erdgas: Sie soll zum Aufbau von Produktionsanlagen für grünen Wasserstoff beitragen
  5. Einstieg in die Kreislaufwirtschaft, um langfristig Stoffkreisläufe zu schließen und so die Verbrennung von Abfall und den Einsatz neuer Rohstoffe zu vermindern
  6. Europäische Koordination durch Einführung dieser Instrumente auch auf EU-Ebene
  7. Eintreten der Bundesregierung für einen globalen CO2-Preis auf UN-Ebene
     

Wasserstoff als Schlüsseltechnologie

 

Auch das von der Landesinitiative IN4climate.NRW veröffentlichte Diskussionspapier zur Rolle von Wasserstoff für eine klimaneutrale Industriezukunft unterstreicht die Bedeutung der Entwicklung zukunftsfähiger Technologien und die Forderungen nach entsprechenden politischen Rahmenbedingungen. Diese sind für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft existenziell. Herstellung, Transport und Nutzung von klimafreundlichem Wasserstoff und der Export von Technologien in einem internationalen Wasserstoffmarkt bieten dabei große Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung in NRW und Deutschland.


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