Im Gespräch: Prof. Dr. Manfred Fischedick

Fischedick ist seit 2006 Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Er leitet innerhalb von IN4climate.NRW das Innovationsteam 2 zu projektbezogenen Entwicklungspfaden, Wertschöpfungsketten und Instrumenten und berichtet in unserem Interview zum Spannungsfeld zwischen Industrie und Klimaschutz und  neuen Technologien.

Foto von Prof. Dr. Manfred Fischedick Leitung Innovationsteam 2

Bei IN4climate.NRW sitzen teilweise auch konkurrierende Unternehmen an einem Tisch. Als einer der Leiter der Innovationsteams - was tun Sie, damit die Zusammenarbeit funktioniert?

Im Rahmen von IN4climate.NRW suchen wir nach innovativen Technologien und Prozessen und setzen durch unsere Arbeit Innovationsimpulse. Dabei arbeiten wir mit den Unternehmen im vorwettbewerblichen Kontext zusammen. Die Informationen werden transparent innerhalb der Innovationsteams geteilt. Auf dieser Basis können die Unternehmen dann selber entscheiden, ob und mit wem sie weitere Entwicklungsschritte gehen möchten.

Eine zweiter wichtiger Arbeitsbaustein betrifft die konkrete Zusammenarbeit der Unternehmen in Bereichen, in denen die Bündelung der Kräfte einen deutlichen Mehrwert verspricht. Dies gilt vor allem für Infrastrukturherausforderungen (z. B. den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur), die ein abgestimmtes Verfahren erfordern. Ähnliches gilt für die Diskussion von Politikinstrumenten, die geeignet sind die Kostendifferenz von Klimaschutzmaßnahmen im globalen Wettbewerb zu überwinden.

 

Industrie und Klimaschutz haben sich lange in einem negativen Spannungsfeld befunden – Was hat sich verändert bzw. muss sich in den kommenden Jahren noch verändern, damit sich diese Differenzen auflösen?

Die Diskrepanz zwischen Wirtschaft und Klimaschutz war schon immer mehr konstruiert als real. Gerade energieintensive Unternehmen haben in den letzten Jahren im erheblichen Umfang in Energieeffizienzmaßnahmen investiert und damit einen Beitrag zur Kosteneinsparung aber eben auch zum Klimaschutz geleistet. Spätestens seit den Pariser Klimaschutzbeschlüssen von Dezember 2015 wissen die Industrieunternehmen zudem, dass sie einen Weg finden müssen, ihre Produktionsprozesse bis zur Mitte des Jahrhunderts weitgehend treibhausgasneutral zu gestalten.

Wer auf diesem Weg technologischer Vorreiter ist, kann früh Erfahrungen sammeln, seine Prozesse optimal aufstellen und nicht zuletzt sich auf den wachsenden Klimaschutzmärkten gegenüber den anspruchsvoller werdenden Kunden profilieren. Die Politik muss die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, dass die Mehrkosten für die notwendigen Transformationsschritte erwirtschaftet  werden könnne.

 

Wasserstoff, Wärmeintegration, Power-to-X – was muss passieren, damit diese neuen Technologien in das Gesamtsystem integriert werden können und dann auch kostenwirtschaftlich arbeiten?

In allen drei Bereichen gibt es sowohl technische Herausforderungen als aber auch ökonomische Hürden, die über eine Fortentwicklung der Technologien und ihre sukzessive Markteinführung überwunden werden müssen. Zudem müssen adäquate und leistungsfähige Infrastrukturen zur Versorgung der industriellen Produktionsanlagen aufgebaut werden.

Zwingende Voraussetzung ist aber vor allem der weitere Ausbau Erneuerbarer Energien respektive die Bereitstellung hinreichend günstigen klimaverträglichen Wasserstoffs (auch als Ausgangsprodukt für PtX-Verfahren) aus heimischen Quellen sowie perspektivisch über den Import aus dem Ausland. Nur dann können diese Technologien zum Klimaschutz beitragen und ihre Vorteile ausspielen. Im Rahmen von IN4climate.NRW stehen entsprechend technologische, infrastrukturelle, ökonomische und politische Fragestellungen ebenso auf der Agenda wie Gesichtspunkte der gesellschaftlichen Akzeptanz.