CO2 ist mit seinem Kohlenstoffbestandteil auch ein wertvoller chemischer Rohstoff. Dies macht sich der Chemiekonzern Covestro aus Leverkusen zu eigen und zeigt, wie das klimaschädliche Treibhausgas zum wertvollen Grundstoff für alltägliche Produkte werden kann. Auf diese Weise ermöglicht Covestro die Verbreiterung der Ressourcenbasis und unterstützt die Kreislaufwirtschaft in der Chemie- und Kunststoffindustrie.

Innovation: CO2-basierter Kunststoff

Möglich macht dies ein innovatives Verfahren, bei dem ein neuer Katalysator zum Einsatz kommt, um die Reaktion des CO2 mit Propylenoxid zu bestimmten Kunststoffbausteinen, so genannten Polyolen, zu forcieren. Es entsteht damit eine neue Art von  Polyolen mit einem CO2-Anteil von bis zu 20 Prozent, die Covestro unter dem Namen cardyon* vermarktet. Sie werden unter anderem zur Produktion von Polyurethan-Schaumstoff verwendet. Das Material wurde zunächst für den Einsatz in Matratzen und Polstermöbeln konzipiert. Außerdem sind bereits CO2-basierte Polyole auf dem Markt, mit denen Bindemittel für Sportböden hergestellt werden. An der Schwelle zur Marktreife steht die Verwendung in elastischen Textilfasern. Weitere mögliche Anwendungen sind Autositze oder Dämmstoffe.

„Jahrzehntelang haben Forscher in aller Welt vergeblich versucht, CO2 als Rohstoff für Kunststoffe zu erschließen. Inzwischen ist dies gelungen: Wir können CO2 für verschiedene Anwendungsfelder nutzen und so einen innovativen Beitrag zur Schonung von fossilen Ressourcen und zur Förderung einer zirkulären Kunststoffproduktion leisten."

Dr. Persefoni Hilken, Venture Managerin cardyon®

Effizienz: Weiternutzung eines Abfallproduktes

Das neue Material stellt Covestro seit 2016 in einer Produktionsanlage in Dormagen her. Bis zu 5.000 Tonnen Polyol kann dort pro Jahr hergestellt werden. Das Herzstück des Prozesses sind ein 25 Tonnen schwerer chemischer Reaktor und Systeme, die das Kohlendioxid als Rohstoff in Polyole einbauen. Das für die Produktion notwendige CO2 kommt dabei aus naheliegenden Chemiewerken. Hier fällt es im Abgasstrom an und kann mit Hilfe des Verfahrens sinnvoll weitergenutzt werden. Es wird im Polyol chemisch fest gebunden und entweicht somit nicht in die Atmosphäre.

Effekt: Nachhaltige CO2-Bindung und Ressourcenschonung

Das neue Verfahren leistet vor allem einen Beitrag zur Ressourcenschonung, denn das verwendete Kohlendioxid ersetzt einen Teil des Erdöls, auf dem Polyole üblicherweise komplett beruhen – es werden damit deutlich weniger fossile Rohstoffe verwendet. Durch Rückführung von CO2 in Wertschöpfungskette hilft die Technologie außerdem, die Kreislaufwirtschaft in der Chemie- und Kunststoffindustrie auszubauen.

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* cardyon® ist ein eingetragenes Warenzeichen