GET H2 Nukleus

Mit dem Projekt GET H2 Nukleus planen die Unternehmen bp, Evonik, Nowega, OGE und RWE Generation den Aufbau einer ersten öffentlich zugänglichen Wasserstoffinfrastruktur für klimafreundlich hergestellten grünen Wasserstoff in Deutschland. Dabei soll ein 130 Kilometer langes Netz die Wasserstofferzeugung in Lingen (Niedersachsen) mit den industriellen Abnehmern in NRW verbinden. Hervorgegangen ist das Projekt aus der Initiative GET H2, die bereits über 40 Unternehmen, Kommunen und Institutionen umfasst.

Als Schlüssel zum Aufbau einer deutschlandweiten Wasserstoffwirtschaft sieht GET H2 die Nutzung bereits bestehender Gas-Fernleitungsnetze. Durch die Umstellung vorhandener Erdgasleitungen auf den Transport von Wasserstoff kann dieser über große Distanzen innerhalb des gesamten Bundesgebietes und darüber hinaus bewegt werden. Das Projekt GET H2 Nukleus macht hierfür einen Anfang. Einen wichtigen Beitrag zur Klimaneutralität soll dabei der Fokus auf so genannten grünen Wasserstoff, der mit Strom aus Erneuerbaren Energien hergestellt wird, leisten. In Raffinerien und der chemischen Industrie ersetzt er zum Beispiel den heute eingesetzten „grauen“ Wasserstoff, bei dessen Erzeugung erhebliche CO2-Emissionen anfallen.

„Der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur basierend auf der bestehenden Gasinfrastruktur ist der kostengünstigste Weg und gewährleistet Versorgungssicherheit – beides ist für die industriellen Abnehmer wichtig.“

Dr. Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsführung der Open Grid Europe GmbH

Innovation: Grüne H2-Produktion für Großabnehmer

Im Projekt GET H2 Nukleus ist die Produktion des grünen Wasserstoffs unter Einsatz einer Elektrolyseanlage im „Power-to-Gas“-Verfahren  beabsichtigt. Hierzu soll am Standort des RWE-Gaskraftwerks in Lingen ein Elektrolyseur mit einer Leistung von über 100 Megawatt errichtet werden. Dieser soll ab 2023 Wasserstoff mit aus Windkraftanlagen erzeugtem Strom produzieren. Für den Transport von Wasserstoff ist erstmals eine regulierte Pipeline vorgesehen, die somit den Startpunkt für eine deutschlandweite H2-Infrastruktur bilden kann. Das Netz von Lingen bis zur bp Raffinerie in Gelsenkirchen soll eine Gesamtlänge von 130 Kilometern umfassen.

 

„Wasserstoff ist ein Hoffnungsträger der Energiewende. Deshalb sind wir mit Überzeugung dabei. Wenn die Bedingungen stimmen, könnte RWE schon 2021 mit dem Bau eines 100-MW-Elektrolyseurs in Lingen beginnen. Nach Fertigstellung ließe sich dann das Ruhrgebiet von hier aus mit grünem Wasserstoff beliefern.“

Roger Miesen, CEO RWE Generation

Effizienz: Weitgehende Nutzung vorhandener Infrastruktur

Der Zugang zu diesem Wasserstoffnetz soll, wie bei Strom- und Erdgasnetzen, allen Erzeugern, Händlern oder Verbrauchern offenstehen. Auf diese Weise soll die schnelle und verlässliche Integration weiterer Wasserstoffprojekte an zusätzlichen Standorten möglich werden. So wird die Grundlage für eine Wasserstoffwirtschaft in Deutschland geschaffen und damit die Entwicklung von Wasserstofftechnologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette hin zu wirtschaftlichen Geschäftsmodellen beschleunigt. Für die Umstellung des Fernleitungsnetzes zwischen Lingen und Gelsenkirchen von Erdgas auf Wasserstoff sind technische Anpassungen notwendig: so zum Beispiel die Verdichtung von reinem Wasserstoff auf den erforderlichen Pipelinedruck oder der Austausch von Armaturen. Die Nutzung bestehender Leitungen macht keine aufwändigen Bauarbeiten erforderlich, weshalb die Umstellung einen großen Kostenvorteil verglichen mit einem Neubau bietet. Als mögliche Erweiterung ist die großskalige Wasserstoffspeicherung in bereits vorhandenen Kavernenspeichern angedacht. Das ermöglicht eine kontinuierliche H2-Versorgung der Abnehmer auch in Phasen längerer Nichtverfügbarkeit von erneuerbarem Strom.

 

„Wasserstoff ist ein wichtiger Einsatzstoff in Raffinerien, der beispielsweise zur Herstellung von Kraftstoffen genutzt wird. Mit der Nutzung von grünem Wasserstoff in unserer Produktion kommen wir dem Ziel, unsere bp-Betriebsaktivitäten bis spätestens 2050 klimaneutral zu machen, einen wesentlichen Schritt näher. Das GET H2 Nukleus Projekt legt den Grundstein für eine verlässliche, nachhaltige Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und hilft so, CO2-Emissionen in unserer Produktion weiter zu senken.“

Bernhard Niemeyer-Pilgrim, Vorstandsmitglied BP Europa SE

Effekt: CO2-Einsparung durch Einsatz grünen Wasserstoffs

Die Nutzung von Wind- oder Solarstrom zur Herstellung von grünem Wasserstoff ermöglicht es, erneuerbare Energien über eine lange Zeit in großen Mengen zu speichern. Durch die errichtete Pipeline wird das Gas direkt zu industriellen Abnehmern in NRW transportiert, beispielswiese Chemieparks und Raffinerien. Der klimafreundlich erzeugte grüne Wasserstoff kann auch in Sektoren eingesetzt werden, in denen eine Elektrifizierung nicht umsetzbar ist (Stichwort „Sektorenkopplung“), und dort zu einer Verringerung der CO2-Emissionen beitragen. Sowohl durch die direkte stoffliche Nutzung als auch durch den Einsatz als Energieträger eröffnet grüner Wasserstoff für viele Industriebranchen erhebliche CO2-Einsparungspotenziale. Voraussetzung dafür ist, dass der Wasserstoff klimafreundlich hergestellt wird und die entsprechende leistungsfähige Transportinfrastruktur zur Verfügung steht, um die industriellen Verbraucher verlässlich versorgen zu können.

 

130
Kilometer

eines ersten öffentlich
zugänglichen Wasserstoff-
netzes in Deutschland

Ansprechpartner

Lisa Willnauer
Senior Manager Innovation & New Technologies, RWE Generation SE

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